Als interessierter Barfusslatscher bin ich heute trotz der Ablehnung der Erörterung meiner Anfragen innerhalb der Einwohnerversammlung der Einladung unseres Bürgermeisters gefolgt. Schließlich sollten ja konkrete Angaben zu den Baumaßnahmen im kommenden Jahr erfolgen und unsere Strasse soll ja wohl auch im kommenden Jahr ausgebaut werden.
Nachfolgend möchte ich für alle, die lieber das Fußballspiel Deutschland –Belgien im Fernsehen sehen wollten, aber auch für alle, die aus anderen Gründen verhindert waren, eine kurze Zusammenfassung des Abends wiedergeben.
Es sei an dieser Stelle vorweg genommen: Das Fußballspiel war wohl wesentlich unterhaltsamer.
Pünktlich um 19 Uhr eröffnete Bürgermeister Hans Dannoritzer die Versammlung mit dem speziellen Hinweis auf den Charakter der Veranstaltung als Informationsveranstaltung zum Ausbau des Breitbandnetzes in Niederorschel. Das Wort Einwohnerversammlung fiel während der gesamten Veranstaltung nicht.
Der Bürgermeister begrüßte sodann die ca. 40-50 anwesenden Einwohner sowie die von ihm geladenen Gäste und Sachverständigen. Von Seite der Gemeindeverwaltung waren Verwaltungschef Erwin Hunold und Bauamtsleiter Bernd Kiel anwesend. Die für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnende Firma Teleglas GmbH wurde durch den Geschäftsführer, Herrn Thomas Meyer, vertreten. Das mit der Planung der Strassen- und Tiefbauarbeiten betraute Ingenieurbüro Beyermann aus Wolkramshausen wurde durch den Inhaber Herrn Dirk Beyermann und einen Mitarbeiter, Herrn Heiko Karthäuser, vertreten. Für die bauausführende Firma TMB aus Worbis waren der Gerteröder Geschäftsführer Heribert Leineweber und der zuständige Bauleiter Herr Wehrhahn anwesend.
Bürgermeister Dannoritzer wies nun darauf hin, dass ein Gast der Veranstaltung noch fehlen würde und bat daher vorerst Herrn Meyer von der Fa. Teleglas doch mal in kurzen Worten zu beschreiben, ’warum Niederorschel so schön sei’.
Herr Meyer folgte der Aufforderung brav und berichtete von seinen durchweg positiven Eindrücken aus Niederorschel. Er sagte, dass er als Einwohner von Bleicherode fast neidisch sei, wenn er die schönen Straßen und Gebäude von Niederorschel sehe.
Es folgte eine ca. 15minütige Darstellung der technischen Details und der beabsichtigten Streckenführung vom Anschlusspunkt an der Hochspannungsleitung der Eon in der Nähe von Deuna bis hin zu den Anschlussgebieten in Niederorschel. Einen Info-Flyer zum Konzept der Fa. Teleglas haben wir hier zur weitergehenden Information bereitgestellt.
Nach dem Vortrag von Herrn Meyer kam nun der ursprünglich noch fehlende Herr Andreas Windolph zu Wort. Der gebürtige Gernröder betreut das Projekt von Berlin aus. Eine genaue Vorstellung seiner Funktion erfolgte durch den Bürgermeister leider nicht. Ich gehe aber davon aus, dass Herr Windolph das Pilotprojekt für den Bund begleiten soll.
Herr Windolph brachte in seinem ca. 15minütigen Vortrag zum Ausdruck, dass das Projekt in Niederorschel als Pilotprojekt für den Bund fungiere und daher die Zuwendung der Fördermittel mit 450.000 € erfolgt sei. Man sei sehr gespannt auf die erwarteten Ergebnisse.
Herr Windolph unterstrich den Umstand, dass das Breitbandnetz im ländlichen Raum wohl im Gegensatz zu größeren Ballungszentren aufgrund der geringen Nachfrage ohne Fördermittel von privaten Betreibern nicht errichtet werden würde. Daher seien die Zuwendungen vom Bund eine wesentliche Grundlage einer tragbaren Gesamtlösung mit der Gemeinde.
Von einem Wettbewerb unter den Netzanbietern um den Betrieb des Niederorscheler Netzes geht er indes nicht aus. Vielmehr stellte er dar, dass das Niederorscheler Netz wohl für die großen Netzbetreiber nicht lukrativ sei und man wahrscheinlich einen kleineren regionalen Netzbetreiber finden müsste.
Herr Windolph verwies darauf, dass sich nach seiner Ansicht in spätestens 5 Jahren Internet, Fernsehen und Telkommunikation in einem einzigen Medium bündeln könnten. Und hierfür seien die Breitbandanschlüsse aus einer Sicht auch langfristig zwingend erforderlich.
Jetzt stellte Herr Beyermann kurz sein Planungsbüro vor und übergab das Wort seinem hierfür zuständigen Bauleiter. Herr Karthäuser schilderte die prinzipielle Herangehensweise an das Projekt, steckte den geplanten Zeitrahmen bis Ende 2012 ab und sicherte die Zusammenarbeit mit den Einwohnern zu. Auf den konkreten Ablauf der geplanten Baumaßnahmen wollte er auch auf Nachfrage noch nicht konkret eingehen, dies sei halt vom Wetter abhängig. Er vertrat die Meinung, dass man heute noch nicht auf Termin- oder Ausführungsdetails eingehen könnte.
Herr Windolph ergänzte noch, dass es sehr wichtig sei, jetzt schnell einen Provider mit Interesse für das Netz zu finden. Speziell weil nach seiner Ansicht selbst die Telekom in den kommenden 10 Jahren kein Interesse an dem Niederorschler Netz haben werde.
Auch unterstrich er, dass er schon von Wertsteigerungen der Baugründstücken von bis zu 20% gehört habe, wenn ein Breitbandanschluss verfügbar sei. Da lassen wir uns doch gern mal überraschen.
Gegen 19:45 Uhr waren alle Vorträge zur Sache gehalten und der Bürgermeister forderte nun noch kurz die bauausführende Firma auf, sich vorzustellen. Speziell bat Herr Dannoritzer den Geschäftsführer der Fa. TMB doch auch mal den guten Zustand der Niederorscheler Strassen hervorzuheben.
Der Gerteröder Heribert Leineweber, lobte nun weisungsgemäß den guten Zustand der Niederorscheler Strassen und versprach den Zustand nach den Bauarbeiten auch wieder entsprechend einwandfrei herzustellen. Als erstes würde man dann beginnen, den ‘maroden’ Gehwegbereich in der Siedlung aufzunehmen.
Speziell betonte er, dass er gemeinsam mit den Anwohnern bauen wolle. Die Anwohner sollten nach Möglichkeit die wöchentlichen Bauberatungen zur Anteilname nutzen. Ebenso wie Herr Beyermann unterstrich Herr Leineweber, dass man bemüht sei, die Termine zu halten. Allerdings verwies auch er darauf, dass die geplanten Baumaßnahmen sehr stark vom Wetter abhängig sein werden.
Gegen 19:55 Uhr war eigentlich alles Wesentliche gesagt. Herr Dannoritzer forderte nun Herrn Meyer nochmals auf, doch noch etwas detaillierter auf das geplante Glasfasersystem und dessen Betrieb einzugehen.
Als mögliche Betreiber des Netzes empfahl Herr Meyer die Fa. Eon bzw. Netcom. Mit diesen Firmen sei das Konzept erarbeitet worden. Er gehe daher davon aus, dass es hier auch Interesse am Betrieb geben würde.
Herr Meyer gab weiter an, dass die jetzt herzustellenden Hausanschlüsse komplett bis ins Haus kostenfrei sind. Er würde aber empfehlen die Erdarbeiten auf dem eigenen Grundstück selbst vorzunehmen.
Ein einfacher Graben mit ca. 60 cm Tiefe sei hierfür ausreichend. Ein Schutzrohr sollte nach seinen Angaben in jedem Fall um die Leitung gelegt werden.
Auch Herr Leineweber von TMB hob hervor, dass er dringend zur Verlegung mit Schutzrohren anrät.
Hintergrund für die Hinweise war wohl, dass man ein Glasfaserkabel nicht einfach ’flicken’ kann. Sollte es im eigenen Vorgarten nun dazu kommen, dass eine solche Leitung beschädigt wird, kann es eventuell notwendig werden, mehrere Hundert Meter Kabel neu zu verlegen. Die Kosten können da nach Angaben von Herrn Meyer schnell mal 5.000-10.000,- € betragen.
Nun bat Bürgermeister Dannoritzer den geistigen Vater des Projektes, Herrn Meyer, noch mal darum, etwas zum Projekt zu sagen. Er bat ihn um eine ’Vision a la Meyer’.
Herr Meyer schilderte nun nochmals, dass es wohl in Niederorschel schwierig wird, die Nutzer kurzfristig von dem neuen System zu überzeugen. Schließlich sei beim örtlichen Kabelfernsehanbieter eine gute Struktur vorhanden und die Internetversorgung sei mit 16000er DSL bereits jetzt weit über dem Thüringer Durchschnitt im ländlichen Bereich.
Er wies nunmehr wiederholt darauf hin, dass die Hausanschlüsse kostenfrei sein sollen. Wohl dem, der zu den ca. 400 ausgewählten Haushalten gehört! Die Kosten, die die Gemeinde und damit jedes Gemeindemitglied zu tragen haben, werden hier allerdings mit keiner Silbe erwähnt.
Herr Meyer untermauerte seine Darstellungen immer wieder mit den Worten: Das macht absolut Sinn! (Warum auch nicht, er lebt ja davon mit seiner Firma.)
Zu den voraussichtlichen monatlichen Providerkosten konnte keiner der Beteiligten etwas sagen. Man ging aber einstimmig davon aus, dass die Kosten so ca. bei der Summe von Telefon, Internet und Kabelfernsehen liegen werden, je nach dem vereinbarten Tarif.
Es ist nun 20:05 Uhr und die ersten Einwohner verlassen die Veranstaltung, da es offensichtlich nur noch zu Wiederholungen bereits besprochener Sachverhalte kommt.
Bürgermeister Dannoritzer bittet Herrn Hunold nun um weitergehende Informationen. Auch Verwaltungschef Erwin Hunold wusste nicht viel Neues zu sagen. Er wies aber darauf hin, dass spätere Hausanschlüsse nach Umsetzung des Pilotprojektes wohl nicht mehr kostenfrei sein werden und wohl erhebliche Kosten verursachen. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt.
Er verwies darauf, dass die Anlage von der Gemeinde betrieben werden soll und dass dies so noch nicht da gewesen sei. Erst nach 7 Jahren habe die Gemeinde nach den Förderrichtlinien die Möglichkeit, das Netz an einen Betreiber zu verkaufen.
Konkrete Anfragen der Einwohner zu den Ausführungsfristen einzelner Abschnitte konnten leider noch nicht beantwortet werden. Unter Hinweis auf das Wetter hielten sich alle Beteiligten entsprechend bedeckt.
Nachdem die gestellten Fragen zu Terminen und Abläufen nicht konkret beantwortet werden konnten und es darüber hinaus keine weiteren Wortmeldungen mehr von Seiten der Einwohner gab, beendete Herr Dannoritzer die Info-Versammlung ca. gegen 20:30 Uhr.
Kurzfristig schien sich Herr Dannoritzer dann noch zu einer Bürgerfragestunde hingerissen zu fühlen und verkündete dies nun für mich und die meisten Anwesenden unerwartet als 2. Tagesordnungspunkt.
Das Interesse der Anwesenden an Antworten war aber zu diesem Zeitpunkt aufgrund der recht dürftigen Antworten zu konkreten Termin- und Sachanfragen gleich Null. Vielleicht sollte sich unser Bürgermeister mal fragen, warum…
Ich für meinen Teil warte nun auf die von Herrn Dannoritzer angekündigte schriftliche Antwort zu meinen Anfragen vom 07.10.2011. Für den Fall, dass Herr Dannoritzer seine Informationsveranstaltung immer noch als Einwohnerversammlung ansieht, hat er nach der Satzung für die Antworten 3 Wochen Zeit.
Um eine Erörterung im Sinne der Satzung möglich zu machen, werde ich die Antworten auf meine Fragen, wie angekündigt, hier im barfusslatscher veröffentlichen.

Sehr aufschlussreiche Versammlung, gut das ich Fussball gesehen habe. Das wichtigste ist nicht gesagt worden, wo kommen die Anschlüsse hin, wer bekommt einen und was kostet das. Ich würde sagen, wir machen mit DSL 16000 weiter, außerdem bietet die Telekom ja VDSL 50 an, wer es in Niederorschel haben will, kann es morgen schon bekommen, was soll der ganze Aufwand, bis die Anschlüsse soweit sind, gibt es wahrscheinlich schon neue Technik. Wie Du schon schreibst, für Herrn Meyer macht das absolut Sinn.
Guten Morgen,
mit Interesse habe ich deine Beiträge zur Einwohnerversammlung (vorher/nachher) gelesen. Durch dein Engagement und deine detailgenaue Berichterstattung, hinterlegt mit den entsprechenden Gesetzmäßigkeiten, war es mir, trotz gestriger Spätschicht in Kassel Wilhelmshöhe, möglich, die Inhalte der Versammlung und den Verlauf des Abends zu erfahren. Somit wissen wir u.A. nun auch, dass unser “maroder Bürgersteig” in der Siedlung im Gespräch ist. Vielen Dank.
Deine Anfragen im Vorfeld sind auf jeden Fall wert benannt zu werden und von allgemeinem Interesse. Speziell die Anfragen zum Spielplatz und den Jugendraum finde ich (und bestimmt viele Familien) sehr interessant. Ein Jugendraum/Club war vor ca. 15 Jahren schon mal unser Anliegen und es führte zu diesem Zeitpunkt kein Weg, aus verschiedenen Gründen, zu diesem Ziel. In Breitenworbis habe ich neulich einen kleinen Jugendclub, betreut von Mitarbeitern der Villa Lampe, gesehen und habe mich da wieder mal gefragt , warum so was nur in Niederorschel nicht möglich ist. Vielleicht gibt es, außer nach Rüdigershagen zu fahren, dafür doch mal eine umsetzbare Idee. Interessenten, Nutzer und Unterstützer würde es ganz bestimmt geben. Viele Grüße Dina Gebhardt
Na bei der ‘regen’ Teilnahme an der Versammlung fällt hoffentlich die Nachfrage der Anschluss-Interessenten dann etwas größer aus…
Mal sehen was sich die Gemeinde einfallen lassen wird, um uns dann die Mehrkosten unter zu jubeln, hoffentlich werden die nicht von den Leuten kalkuliert, die sich schon beim Fundament der Lindenhalle verrechnet haben.
Wenn man von den ca. 45 anwesenden Einwohnern mal die anwesenden Mitglieder des Gemeinderates abrechnet, kommt man auf ca. 30 interessierte Anwohner. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht die Anzahl der späteren Nutzer ist. Angeschlossene Firmen werden das Angebot aber wahrscheinlich nutzen. Das Interesse wäre damit erschreckend gering.
Meine Nachfrage nach der Anzahl der Interessenten in der Gemeinderatssitzung vom 14.06.2011 konnte niemand beantworten.
Ebenfalls wurden die Kosten der Gemeinde, die über die Fördergelder hinaus gehen in der gleichen Gemeinderatssitzung mit ca. 174.000 € beziffert. Mind. 10% der ursprünglich kalkulierten 500.000 € muss die Gemeinde in jedem Fall zahlen. Den Anwohnern die Anschlüsse jetzt als kostenlos zu verkaufen, ist daher nicht wirklich richtig. Die Kosten der Gemeinde müssen schließlich von allen Einwohnern gemeinsam getragen werden.
Wie der aktuelle Stand ist, wollte ich jetzt in der Einwohnerversammlung von Herrn Dannoritzer erfahren. Zu einer Antwort in der Einwohnerversammlung war er aber nicht bereit.
Einen Stopp oder ein Zurück ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits ausgeschlossen, da die Fördermittel schließlich nur fließen, wenn die Maßnahme pünktlich bis Ende 2012 abgeschlossen ist und schon jetzt sehr viel Geld hierfür ausgegeben wurde.